„Mediziner lernen nix über Kommunikation“

Nachdem wir gelernt haben, wie es ist, Medizin zu studieren, kommen wir nun zu den Vorurteilen, mit denen ein Mediziner konfrontiert ist.

Was für Vorurteile haben Leute über Medizin? Und was davon stimmt eigentlich wirklich?

Heute wollen wir uns mit dem Vorurteil befassen: „Mediziner lernen nix über Kommunikation“. Was lernen wir tatsächlich über Kommunikation im Studium?

Das Studium ist in zwei große Abschnitte aufgeteilt. Der erste Abschnitt ist sehr theoretisch, kompakt und für viele unglaublich herausfordernd: die Vorklinik. Hier lernen wir unter anderem in einem Fach namens Psychologie / Soziologie in Göttingen in einem einwöchigen Seminarblock kennen, wie man als Arzt kommunizieren „soll“. Genau hier wird das Ideal vorgelebt.

Ein Arzt soll aktiv zuhören, ausreden lassen und den Menschen sich sicher fühlen lassen. Er kann eine schwere Diagnose überbringen und Angehörige und Patienten über teils schwere Diagnosen aufklären.

Das alles lernen wir mit Schauspielpatienten, Rollenspielen und Referaten zu einigen Themen.
Das Problem: Nach einer Woche war es das. Nach einer Woche ist ein signifikanter Teil des Arztjobs als „beigebracht“ abgehakt.

Ich halte Kommunikation für einen Skill, den man fast nur per Learning by Doing erlernen kann. Deswegen finde ich das auch erst mal okay, denn ich glaube, die Herkunft des Vorurteils ist eben nicht aus mangelnder theoretischer Bildung entstanden, sondern aus einem praktischen Zeitmangel.

Ärzte auf Station müssen 12 oder mehr Patienten versorgen. Im Praxisbereich teilweise Dutzende am Tag. Und das unter extremem Zeitdruck. Selbst der altruistischste und einfühlsamste junge Arzt oder jede junge Ärztin kommt hier an seine / ihre Grenzen.

Die tickende Uhr im Hinterkopf, während man empathisch sein soll, ist schwer mit den astronomischen Erwartungen an die Belastbarkeit von Ärzten zu vereinen.

Auch wenn es immer „bad apples“ gibt, sehe ich das Problem eher systemisch als in einem Charakterzug aller Mediziner.

Stimmt das Vorurteil also? Jain. Wir lernen definitiv konzentriert Kommunikationsarbeit, aber haben häufig schlicht keine Zeit dieses Wissen anzuwenden. Ein Arzt, der nach 10 Stunden Schicht und 15 Entlassbriefen kurz angebunden ist, ist nicht empathielos. Er ist schlichtweg verheizt.

Das war erst das erste von vielen Klischees. Zusammen mit meiner Kommilitonin Hannah habe ich die besten Mediziner-Vorurteile gesammelt, die wir in den nächsten Beiträgen sezieren wollen:

Von Hannah

  • Hypochonder
    • Es ist das Zebra!
  • Nepo-Babies
  • Lernt wenig über zwischenmenschliche Interaktion
  • Wollen keine Hausärzte werden
  • Wir lernen nicht, wie Wissenschaft funktioniert
  • Legen sich selbst die NaCl bei Kater

Von mir

  • Lernt (stresst) sich in den Haarausfall
  • Verlässt nicht die Wohnung
  • Lernt nur
  • Kein Leben
    • Saufen den ganzen Tag (als Kompensation)
  • Billo-Doktorarbeit
  • Gottlose Bubble
  • Ich könnte das ja nicht
    • „Blut, Körperflüssigkeiten, Präppen“

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